brumm33:
Wieso glauben hier so viele, dass "maximale Transpararenz" demokratiefördernd ist?
Wie schon gesagt wurde - es geht nicht um "maximale Transparenz", sondern zumindest um ein bisschen Transparenz in einem bestimmten, aber wichtigen Punkt. Dass es immer wieder und in vielen verschiedenen Fragen zu Konflikten kommt zwischen Schutz der Privatsphäre der Individuen und dem Interesse der Öffentlichkeit an Transparenz, ist klar. Doch hier geht es einzig und allein um die Parteienfinanzierung, nicht mehr und nicht weniger. Hier gewichte ich die Transparenz höher als die Privatsphäre. In anderen Fällen bin ich dann aber wieder anderer Meinung...
brumm33:
1. Wieso muss unsere halbdirekte, föderalistische Demokratie gefördert werden? Wir haben das weltweit am Besten funktionierende System.
Das ist die Denkweise der SVP, die absolut nicht meiner Haltung entspricht. Kein System ist perfekt, auch nicht das Schweizerische, auch wenn es zugegebnermassen nicht das Schlechteste ist...Aber gerade die mangelnde Transparenz bei den Parteispenden ist ein Makel, der m.E. nicht in das (zumindest bis vor kurzem noch...) perfekte Image der Schweizer Demokratie passt. Es gibt noch andere, wie z.B. dass Bundesgesetze und Bundesbeschlüsse die Verfassung brechen können, oder dass das Volk die Grundrechte ausser Kraft setzen darf, wenn es das will...aber das ist ein anderes Thema.
brumm33:
Das Kollegialitätsprinzip ist nur möglich, wenn Bundesratssitzungen und Positionen einzelner Bundesräte nicht transparent sind.
Das hat mit der Frage der Parteispenden nichts zu tun...Wie bereits gesagt: In den einen Fällen ist die Privatsphäre wichtiger, in anderen die Transparenz - je nach Interessenlage.
Bundesräte veröffentlichen immerhin das Resultat ihrer Beratungen bzw. ihres Mehrheitsbeschlusses - über Parteifinanzen wird nichts freiwillig preisgegeben.
brumm33:
Überlegt euch mal: Wieso gibt es in der Schweiz Wahl- und Abstimmungsgeheimnis? Tipp: Es ist der gleiche Grund, wieso es auch kein Verbot für nicht-öffentliche Spenden geben sollte.
Diese Bemerkung von dir finde ich sehr interessant. Ja, wir haben in der Schweiz das Wahlgeheimnis. Nur ist es m.E. eben gerade nicht so, dass es wegen des Wahlgeheimnisses auch ein Parteifinanzierungsgeheimnis geben muss, sondern es ist eher das Gegenteil der Fall. Zweck des Wahlgeheimnisses ist es, dass der Stimmbürger seine Entscheidung frei von Beeinflussung Dritter fällen kann. Die Transparenz in der Parteienfinanzierung hätte das selbe Ziel: Der Wähler soll nicht die Katze im Sack bzw. eine Mogelpackung wählen, sondern genau wissen, welche Interessen die Parteien auch wirklich
verfolgen.
Im übrigen scheinen diejenigen, die gegen eine Offenlegung von Parteispenden sind, nicht die vehementesten Verteidiger des Abstimmungs- und Wahlgeheimnisses zu sein: Ich hatte da vor ein paar Monaten in diesem Forum eine lebhafte Diskussion mit user abc def, einem strammen SVPler, der quasi bestritten hat, dass es in der Schweiz ein verfassungsmässig garantiertes Wahl- und Abstimmungsgeheimnis gibt und dazu die Meinung vertrat, dass es so etwas überhaupt nicht bräuchte...Das ist auch etwas widersprüchlich, nicht? Würde mich jetzt noch interessieren, was abc def zu der Frage der Parteispenden meint...
brumm33:
Es geht ja gar nicht darum, ob die Parteien weiterhin verschleiern sollen, von wem sie gesponsert werden. Sondern ob man weiterhin einer Partei Geld spenden darf, ohne deswegen öffentlich zu werden.
Klar, das ist der zentrale Interessenkonflikt. Auf der einen Seite die Privatsphäre der Parteien und der Sponsoren, auf der anderen Seite das Interesse der Öffentlichkeit nach transparenter Politik. Natürlich wäre eine Offenlegungspflicht eine Einschränkung der Privatsphäre und es würde wohl zu einem "Abschreckungseffekt" kommen. Doch im Hinblick darauf, dass die Politik sauber und transparent sein sollte, ist es m.E. zumutbar, dass Spender unter Umständen nicht mehr anonym bleiben dürfen. Und wie schon erwähnt, würden deshalb die Grossspenden ausbleiben, wäre das längst nicht das Ende der Demokratie - im Gegenteil...
brumm33:
Offenbar empfindet man links von der CVP eine SVP-Spende für schlimmer als eine Vergewaltigung.
Es geht ja nicht darum, gewisse Parteien und ihre Sponsoren an den Pranger zu stellen und zu brandmarken, auch wenn man natürlich nicht ausschliessen kann, dass es zu Medienkampagnen kommt. Allerdings glaube ich kaum, dass diese Veröffentlichung allzu grosse Wellen werfen würde. Bereits heute gibt es ja Mutmassungen und Schätzungen, grosse Überraschungen erwarte ich deshalb nicht.
Zumindest mir geht es um das Prinzip. In einer Demokratie muss man wissen, wer welche Interessen verfolgt, egal ob das nun linke oder rechte Interessen sind. Auch die Grünen veröffentlichen ihre Finanzen nicht, nota bene. Es ist heute selbstverständlich, dass Parlamentarier ihre Verwaltungsratsmandate offenlegen. Da ist es nur konsequent, wenn auch die Herkunft ihrer Finanzmittel zumindest in zumutbarem Mass offengelegt werden muss.
Dann kann man noch einwenden, dass nicht nur die Parteien, sondern auch die Verbände zur Offenlegung gezwungen werden müssten. Ja, aber Verbände sind per Definition Interessenvertreter, da kann man sich selber zusammenreimen, wer was finanziert. Parteien hingegen sollten als Volksvertretung eigentlich eine Vielzahl von Interessen vertreten. Wenn eine Partei sich einem bzw. einigen Partikulärinteressen verschreibt, so als wäre sie ein reiner Interessenverband, ist das legitim, sollte aber offen deklariert werden...