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Die schweizerischen Zeitungen im Wandel

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Battou
Mitglied
#21 ° Gesendet: 08.10.2009 13:50
Thomas:
Ich kann zu dem Konzert mit dem Tonhalle-Orchester, das ich kürzlich besucht habe, nichts finden...

Aber in einer Zeitung schon? :)

Thomas:
Nein, bestimmt nicht. Die Zeitung kann ich überallhin mitnehmen, mit dem Computer wird das ausserordentlich schwierig. Nicht alle Leute können oder wollen sich ein Notebook leisten.

Das gehört nächstens der Vergangenheit an. Vielleicht kennst du "Kindle". Die E-Book Reader sind auf dem Vormarsch und es ist nur eine Frage der Zeit, bis man die NZZ auf einem solchen Gerät abonieren kann. Und dann ist es wirklich nur noch eine Frage des Raschelns bzw. eben, was einem besser schmeckt.
Das Medium spielt ja nun wirklich keine (grosse) Rolle...
Thomas:
Enthalten diese Zeilen nicht eine versteckte Bevormundung? Wollen die Gratisleser überhaupt mehr Qualität oder sind sie glücklich mit dem Horoskop und den neuesten News zu Britney Spears?

Ja, sind sie, sonst würden sie Geld für mehr Qualität ausgeben.
Thomas:
Lies mal "Dass nur Menschen mit genügend Geld sich gute Informationen leisten können" analog zu "Dass nur Menschen mit genügend Geld sich gutes Brot leisten können"! Wo ist also der springende Punkt?

Nun, so ist es nunmal in unseren kapitalistischen Breitengraden, nicht? Die Working-poor Familie kauft sich nunmal kein Spezialdelikatessolivenbrot aus der Globus Gourmessa, weil sie mit dem Zopf aus der Migors zufrieden sind...
Battou
Mitglied
#22 ° Gesendet: 09.10.2009 09:47
Content künftig nur für Cash
http://www.20min.ch/finance/news/story/Content-kuenftig-nur-fuer-Cash- 15819557
Massenhaft genutzte Web-Angebote wie Wikipedia, YouTube und Facebook seien zu zentralen Umschlagplätzen für Nachrichten geworden und hätten die Online-Auftritte traditioneller Nachrichtenmedien verdrängt.

Darf ich lachen?
Thomas
Mitglied
#23 ° Gesendet: 09.10.2009 23:06

Endlich mal gute News aus der Medienwelt!

Battou:
Nun, so ist es nunmal in unseren kapitalistischen Breitengraden, nicht? Die Working-poor Familie kauft sich nunmal kein Spezialdelikatessolivenbrot aus der Globus Gourmessa, weil sie mit dem Zopf aus der Migors zufrieden sind...

Das ist nicht der Punkt. Es geht um die Frage, ob Informationen eines der Grundgüter wie Wasser und Brot sind. Ich glaube, sie sind nicht überlebenswichtig wie die Grundnahrungsmittel, aber Bestandteil einer funktionierenden Demokratie mit Presse- und Meinungsfreiheit. Letztere sind in einer Gratiskultur gefährdet, da es keine Spezialisten und Gefässe gibt, die Informationen filtern und mit Sachverstand bearbeiten. Dort wo Eliten und Intellektuelle eingemottet werden, ist jede Meinung gleichberechtigt, auch wenn sie noch so falsch ist, und kann mit entsprechenden finanziellen Mitteln hochgepusht werden.

Battou:
Ja, sind sie, sonst würden sie Geld für mehr Qualität ausgeben.

Menschen sind grundsätzlich faul und anpasserisch. Gerade die Working-Poor, die du ansprichst, lesen Gratiszeitungen nicht, weil sie ihren Ansprüchen genügen, sondern, weil sie nichts kosten (dasselbe im übrigen mit Gratis-Downloads von kulturellen Produkten). Dementsprechend werden die Gratiszeitungen vom rechtskonservativen Mainstream als Meinungsmacher benutzt. Qualitätszeitungen haben als Informationsträger, die möglichst unabhängig, vielfältig und objektiv berichten sollen, auch eine staatspolitische Bedeutung, die durch die Nivellierung der Gratiskultur nicht wettgemacht werden kann.

Battou:
Das gehört nächstens der Vergangenheit an. Vielleicht kennst du "Kindle". Die E-Book Reader sind auf dem Vormarsch und es ist nur eine Frage der Zeit, bis man die NZZ auf einem solchen Gerät abonieren kann. Und dann ist es wirklich nur noch eine Frage des Raschelns bzw. eben, was einem besser schmeckt.
Das Medium spielt ja nun wirklich keine (grosse) Rolle...

Doch, spielt es. Computer sind - abgesehen von ihrer schlechten Portabilität - auch mit ergonomischen Beschwerden und Änderungen (z.B. Sehverhalten) verbunden. Und nicht zuletzt spielt sich der grösste Teil der Freizeit und die Arbeit immer noch in der Realität "da draussen" ab. Menschliche Begegnungen sind nicht ersetzbar, und richtige Arbeit wird immer noch mit Bleistift und Gummi auf Papier gemacht. Ich beneide die Leute, welche ohne Blackberry oder Handy nicht mehr auskommen, nicht - im Gegenteil - ich bemitleide sie. Bleibt nur noch zu erwähnen, dass Bücher langlebiger sind als elektronische Datenträger.
Battou
Mitglied
#24 ° Gesendet: 10.10.2009 11:43
Thomas:
Endlich mal gute News aus der Medienwelt!

Ich finde dabei nur lächerlich, dass in dem Zusammenhang Wikipedia, Youtube und Facebook die Schuld an der Misere gegeben wird. Alle drei haben meines Wissens nach kein Newsportal und ich glaube die Mitglieder posten keine News von dpa etc, sondern verlinken wenn dann auf gratis Online Portale wie zb. Spiegel Online.
Thomas:
Letztere sind in einer Gratiskultur gefährdet, da es keine Spezialisten und Gefässe gibt, die Informationen filtern und mit Sachverstand bearbeiten. Dort wo Eliten und Intellektuelle eingemottet werden, ist jede Meinung gleichberechtigt, auch wenn sie noch so falsch ist, und kann mit entsprechenden finanziellen Mitteln hochgepusht werden.

Nunja, die Gratiskultur, wie du sie nennst, muss ja nicht per se schlecht sein. Nur ging das Geschätsmodell nicht auf, und deswegen kollabiert das System. Hätten die Medien einen Weg gefunden, die Gratiszeitungen und Onlineportale kostendeckend zu betreiben, hätte die Qualität nicht drunter leiden müssen. Wobei sich die Gratiszeitungen ja bewusst von Onlineportalen unterscheiden und der Name "20 Minuten" schon impliziert, dass einfach eine Möglichkeit sein soll, sich kurz im Tram über das wichtigse zu informieren.
Dass nun aber die Gratiszeitungen nicht rendieren und diese sogar noch ihren Zeitungen das Wasser abgraben, damit haben sie wohl nicht gerechnet ^^
Thomas:
Menschen sind grundsätzlich faul und anpasserisch. Gerade die Working-Poor, die du ansprichst, lesen Gratiszeitungen nicht, weil sie ihren Ansprüchen genügen, sondern, weil sie nichts kosten (dasselbe im übrigen mit Gratis-Downloads von kulturellen Produkten)

Du bringst hier Gratis-Downloads im falschen Kontext. Diese sind ja prinzipiell illegal. Wirkliche Gratisdownloads müssen nicht schlecht sein, wenn der Künstler findet, er müsse dafür nicht bezahlt werden (wäre sonst ehrenamtliche Arbeit nicht auch Teufelszeug?).
Thomas:
Doch, spielt es. Computer sind - abgesehen von ihrer schlechten Portabilität - auch mit ergonomischen Beschwerden und Änderungen (z.B. Sehverhalten) verbunden.

Wie gesagt, schau dir mal das Produkt Kindle an: http://www.focus.de/digital/multimedia/tid-8129/elektronische-buecher_ aid_145522.html
Ich selber ziehe dem ein Buch noch immer vor, aber eine Zeitung könnte ich mir durchaus vorstellen, auf einem solchen Gerät zu lesen...
Aber auch diese Dinger werden sich weiter entwickeln, es gibt ald LCD Bildschirme die man rollen oder vielleicht sogar falten kann, die Jüngeren werden damit aufwachsen und sich sicherlich schneller daran gewöhnen...

Aber wie gesagt, ob ein Journalist einen Artikel für die eNZZ auf einem eBook Reader oder für die NZZ im Papierformat schreibt, spielt keine Rolle. Hauptsache, seine Arbeit kann vom Verleger bezahlt werden.
Thomas
Mitglied
#25 ° Gesendet: 14.10.2009 23:21
Battou:
Ich finde dabei nur lächerlich, dass in dem Zusammenhang Wikipedia, Youtube

Nix lächerlich. Gratiskonkurrenz ist keine Konkurrenz und hat mit freiem Wettbewerb nichts mehr zu tun. Die Qualität lässt zu wünschen übrig. Natürlich tragen diese Portale eine Mitschuld, dass geisteswissenschaftliche, künstlerische und andere Projekte in den finanziellen Ruin getrieben werden.

Battou:
Nunja, die Gratiskultur, wie du sie nennst, muss ja nicht per se schlecht sein.

Du gehst mit diesem Satz in keiner Weise auf meine Bedenken ein, die ich oben aufgelistet habe. So kann ich geradesogut gegen eine Wand reden.

Battou:
Wobei sich die Gratiszeitungen ja bewusst von Onlineportalen unterscheiden und der Name "20 Minuten" schon impliziert, dass einfach eine Möglichkeit sein soll, sich kurz im Tram über das wichtigse zu informieren.

In den Gratiszeitungen habe ich noch nie seriöse Information gefunden. Ist das Horoskop seriös? Oder die Wehwehchen der Classe politique? Die Bilder-Seite?

Battou:
Wirkliche Gratisdownloads müssen nicht schlecht sein, wenn der Künstler findet, er müsse dafür nicht bezahlt werden (wäre sonst ehrenamtliche Arbeit nicht auch Teufelszeug?).

Ich verstehe das Wort "schlecht" in diesem Zusammenhang nicht. Der Konsument hat nicht darüber zu entscheiden, ob der Künstler ehrenamtliche Arbeit machen will oder nicht - ich gehe ja auch nicht Haare schneiden und je nach Lust und Laune bezahle ich den Friseur oder nicht.

Battou:
Ich selber ziehe dem ein Buch noch immer vor, aber eine Zeitung könnte ich mir durchaus vorstellen, auf einem solchen Gerät zu lesen...

Oh, warum können sich neue Technologien beim Publikum nicht durchsetzen? Warum bevorzugt man nach wie vor UKW vor DAB?
Lehm
Mitglied
#26 ° Gesendet: 15.10.2009 10:45 ° Bearbeitet von: Lehm
Gute Artikel haben ihren Preis, weil sie von hoffentlich fair bezahlten Journalisten und nicht von zu Hungerlöhnen beigezogenen Freelancern geschrieben werden. Ich seh aber nicht, warum solche Artikel nicht auch im Internet gegen Bezahlung verbreitet werden sollen. Auch dafür besteht ein Bedürfnis einer wachsenden Minderheit. Ich habe z.B. eine ausländische Zeitung im Internet abonniert, und das ist günstiger und ökologischer, als wenn sie mir wie vorher zwei Tage nach Erscheinen per (Flug)Post geliefert wird. Interessante Artikel kann ich auch abspeichern oder farbig ausdrucken. Ich finde auch das Angebot, in Archiven einzelne Artikel von Zeitungen gegen Gebühr elektronisch zu beziehen sehr gut und nutze es ab und zu. Die neuen Möglichkeiten der Mediennutzung sind gut, nicht schlecht. Intelligente Nutzung kann man dem Verbraucher natürlich nicht vorschreiben.
Thomas
Mitglied
#27 ° Gesendet: 15.10.2009 12:44
Lehm:
Ich seh aber nicht, warum solche Artikel nicht auch im Internet gegen Bezahlung verbreitet werden sollen.

Doch, da bin ich ausdrücklich dafür. Aber ich möchte von der Classe Journalistique nicht gezwungen werden, den ganzen Tag vor dem Bildschirm zu verbringen. Gedrucktes (Bücher/Zeitung) lässt sich auf dem altbewährten Papier besser lesen, man kann sich besser konzentrieren und ist weniger von gesundheitlichen Schäden betroffen. Darum kann ich - so verstanden - auch diesen Satz unterschreiben:
Lehm:
Intelligente Nutzung kann man dem Verbraucher natürlich nicht vorschreiben.

swiss
Mitglied
#28 ° Gesendet: 26.10.2009 14:19
Wenn man der Weltwoche einen Artikel zusendet, bekommt man diese Nachricht :

Sehr geehrter Leserbriefverfasser



Mit Ihrer Zuschrift haben Sie gezeigt, dass Sie unsere WELTWOCHE mit Interesse verfolgen. Das freut uns, und wir möchten Ihnen dafür danken.


Alle Zuschriften werden zunächst an die Chefredaktion weitergeleitet. Diese sorgt dann dafür, dass auch die Redaktion sowie die direkt angesprochenen Autoren und Autorinnen eines Artikels und im gegebenen Fall der Verlag von den Briefen Kenntnis erhalten.


Da der Platz für Leserbriefe beschränkt ist, müssen wir eine relativ strenge Auswahl treffen oder bei zu langen Zuschriften die uns wesentlich erscheinenden Stellen auswählen. Wir bitten Sie um Verständnis – und hie und da auch um etwas Geduld: Nicht jede Zuschrift, die wir publizieren möchten, kann gleich in der „nächsten" Nummer erscheinen.


Betrachten Sie bitte diesen Brief als Dank- und Bestätigungsschreiben. Über den Abdruck Ihrer Zuschrift ist in diesem Augenblick noch nicht entschieden.


Mit freundlichen Grüssen


Weltwoche Verlags AG

IST DOCH SCHÖN WAS FÜR EINE SANFTE ANTWORT MAN ERHÄLT VON DIESEN HORROR SVP OBERBOSSEN BEI DER WELTWOCHE.
swiss
Mitglied
#29 ° Gesendet: 26.10.2009 14:20
"Da der Platz für Leserbriefe beschränkt ist, müssen wir eine relativ strenge Auswahl treffen".


- strenge Auswahl -


Deshalb sind die Artikel auch so " streng " und eng verfasst.
Hexxe
Mitglied
#30 ° Gesendet: 26.10.2009 16:18
swiss:
IST DOCH SCHÖN WAS FÜR EINE SANFTE ANTWORT MAN ERHÄLT VON DIESEN HORROR SVP OBERBOSSEN BEI DER WELTWOCHE.

Jede seriöse Zeitung prüft ihre Leserbriefe und Kommentare, weshalb Du hier gleich einen Aufstand gegen die SVP und WW veranstaltest, ist mir schleierhaft...ich glaube Du solltest Dich echt mal behandeln lassen.
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