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Die schweizerischen Zeitungen im Wandel

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krokodil
Mitglied
#11 ° Gesendet: 30.09.2009 12:14 ° Bearbeitet von: krokodil
Lehm:
Ansonsten finde ich, wenn schon Sport in der Tageszeitung, dann bei der Kultur. Ist ja nichts anderes bzw. sollte nichts anderes sein.

Nein, auf keinen Fall. Vereinssport ala FIFA passt besser zum Börsenteil, das hat mit Kultur nichts zu tun. Sport muss man selbst treiben, sobald Sport zu reiner Unterhaltung degeneriert wird, dann läuft etwas falsch. Bei Sport als Unterhaltung geht es immer um Kompetition – ob Zweikampf oder Mannschaftsport ect. – natürlich gibt es neben den gewalttätigen Sportarten auch schöne. Trotzdem vom Unterhaltungswert ist ein Tennismatch etwa so eintönig wie Börsenkurse – alles andere ist Projektion oder sexuell motiviert ;-) (provokation).
Lehm
Mitglied
#12 ° Gesendet: 30.09.2009 14:53
Wobei mir ja ehrlich gesagt die Zeitung am liebsten wäre, die gar keine Ressorts hat, sondern einfach über das berichtet und das analysiert, was gerade aktuell ist oder die Menschen beschäftigt. Die wie eine 4-Zimmerwohnung in 4 Bünde aufgeteilte Zeitung ist mir zu langweilig.
Thomas
Mitglied
#13 ° Gesendet: 30.09.2009 17:33
Lehm:
Die neue NZZ finde ich auch ansprechend, allerdings wundere ich mich schon, dass man seitenweise (veraltete) Kurstabellen abdruckt. Das ist nun etwas, was im Internet besser weil aktueller ist. Ansonsten finde ich, wenn schon Sport in der Tageszeitung, dann bei der Kultur. Ist ja nichts anderes bzw. sollte nichts anderes sein.

Sport als Kultur? Der Begriff würde damit aber arg strapaziert. Zudem hat die Ressort-Verteilung auf die Bünde nichts mit dem Inhalt zu tun. Dass jedoch die Börsen-Kurse immer noch so prominent vertreten sind, erstaunt mich ebenfalls. Wer Aktien hat, der schaut doch auf seinem Notebook nach und informiert sich so oder so online, wos aktuell ist. Schade ums Papier!

Schlimmer wiegt, dass CEO Stäheli gestern an einer Podiumsdiskussion bekannt gab, dass die Leserpreise drastisch erhöht werden sollen. Man wolle sich von der Inserate-Abhängigkeit insgesamt frei machen. Damit ist dann die NZZ aber wirklich nur noch die Zeitung der Hochfinanz - jener, die sich so ein Abo überhaupt noch leisten können...
Battou
Mitglied
#14 ° Gesendet: 05.10.2009 22:50
War's das?
Die Zeitungsbranche brauchte keine 15 Jahre, um ihr 400 Jahre altes Geschäftsmodell zu zerstören. Chronik einer Selbstverstümmelung.

Von Kurt W. Zimmermann

http://www.nzzfolio.ch/www/21b625ad-36bc-48ea-b615-1c30cd0b472d/showar ticle/2bd92df8-59e6-41c4-829a-74e216d5ba07.aspx
Thomas
Mitglied
#15 ° Gesendet: 06.10.2009 00:40
Battou:
Die Zeitungsbranche brauchte keine 15 Jahre, um ihr 400 Jahre altes Geschäftsmodell zu zerstören. Chronik einer Selbstverstümmelung.

Ich empfehle das NZZFolio jedem zur Lektüre, auch den Zeitungsfritzen in den Chefetagen, und zwar soll man mit gutem Beispiel vorangehen und das Heft auch KAUFEN. Die Gratiszeitungen (inkl. Internetangebote) haben den Zeitungsmarkt kannibalisiert und zerstört - man muss geradezu von einem "Grounding" sprechen. Im Heft wird auch klargemacht, dass von Journalisten recherchierte Informationen nicht durch das Chaos (und Propaganda) im Internet ersetzbar sind. Peter von Matt erklärt, warum eine Bezahlzeitung elitär sein muss. Und das Beispiel Blick zeigt, dass die Tendenz Richtung Boulevardisierung auch eine Sackgasse sein kann (Leser lassen sich nicht beliebig verarschen). Wobei ohnehin klar sein sollte, dass niemand mehr eine Zeitung kaufen will, die äusserlich wie inhaltlich wie eine Gratiszeitung aussieht, m.a.W. redundant ist.
Lehm
Mitglied
#16 ° Gesendet: 06.10.2009 09:39
Für Mode- und Gesellschaftszeitschriften wird aber nach wie vor Geld bezahlt, auch wenn das Niveau der Beiträge tief ist. Im Übrigen ist es ja nun mit etwas Erfahrung und Sprachkenntnissen nicht so schwierig, im Internet hochstehende Informationen zu finden. Ist man noch dazu bereit, zu zahlen, findet man alles, was gedruckt zu kaufen ist, und noch viel mehr.

Ist es nicht eher nur noch das sinnliche Erlebnis, das Rascheln der (grossformatigen) Zeitung neben Kaffee und Gipfeli, welches für die gedruckte Zeitung spricht?
Thomas
Mitglied
#17 ° Gesendet: 06.10.2009 22:32
Lehm:
Ist es nicht eher nur noch das sinnliche Erlebnis, das Rascheln der (grossformatigen) Zeitung neben Kaffee und Gipfeli, welches für die gedruckte Zeitung spricht?

Es fehlte ja noch, dass ich am Morgen am Bildschirm hänge. Ich lese die Zeitung beim Mittag- bzw. Abendessen.

Lehm:
Für Mode- und Gesellschaftszeitschriften wird aber nach wie vor Geld bezahlt, auch wenn das Niveau der Beiträge tief ist.

Warum? Weil es eine Mode-Elite gibt. Genau dasselbe Bedürfnis bei der Tageszeitung: Ich will in kompakter Form diejenigen Dinge von Fachjournalisten vertieft präsentiert bekommen, von denen ich selber eine Ahnung habe. In den Untiefen des Internet ist das nicht möglich.

Lehm:
Im Übrigen ist es ja nun mit etwas Erfahrung und Sprachkenntnissen nicht so schwierig, im Internet hochstehende Informationen zu finden.

So? Wo sind die Konzert- und Theaterkritiken? Welches Gelabber über die Innenpolitik oder die Wirtschaftslage soll ich abonnieren? Welche Meldungen aus Iran oder China im Hagel der Propagandaschlachten besitzen Glaubwürdigkeit? Kannst du chinesisch oder Farsi? Korrespondenten sind vielleicht nicht allwissend, haben aber eine bestimmte Glaubwürdigkeit, da sie vor Ort recherchieren, als Beobachter des Landes aber gleichzeitig eine bestimmte Distanz zu den Ereignissen wahren.
Zudem bündelt eine Zeitung all diese Informationen aus verschiedensten Ressorts, was sich billiger produzieren lässt und auch billiger zu haben ist, als wenn ich sie aus diversen Fachzeitschriften zusammenkaufen müsste.
Thomas
Mitglied
#18 ° Gesendet: 06.10.2009 23:25
sanzibar:
in meinen augen sollten gratiszeitungen, welche die sozial benachteiligten am ehesten lesen, qualitativ viel besser sein und nicht solch ein müll enthalten wie es zurzeit der fall ist. den so wie es jetzt ist, kann man übertrieben sagen, dass nur menschen mit genügend geld sich gute informationen leisten können.

Enthalten diese Zeilen nicht eine versteckte Bevormundung? Wollen die Gratisleser überhaupt mehr Qualität oder sind sie glücklich mit dem Horoskop und den neuesten News zu Britney Spears? Oder wenn man von der Argumentation von Lehm ausgeht: Geht ins Netz, sozial Benachteiligte, dort ist alles zu finden, was ihr braucht! Ist es wirklich so einfach?
Lies mal "Dass nur Menschen mit genügend Geld sich gute Informationen leisten können" analog zu "Dass nur Menschen mit genügend Geld sich gutes Brot leisten können"! Wo ist also der springende Punkt?
Lehm
Mitglied
#19 ° Gesendet: 07.10.2009 08:57
Thomas:
Wo sind die Konzert- und Theaterkritiken?

Gib mal bei Google "Konzertkritik" ein. Dazu allenfalls noch den Künstler und das Datum seines Konzerts.

Thomas:
Zudem bündelt eine Zeitung all diese Informationen

Ja, das ist praktisch. Ist aber auch im kostenpflichtigen e-Paper der Zeitung nachlesbar. Dort habe ich zudem Zugriff auf alle Artikel von früher.

Ich glaube, es liegt wirklich nur noch am Rascheln des Papiers. Und selbst das kann mit einem unterlegten Audiofile nachempfunden werden...wie das Klicken beim Fotohandy.
Thomas
Mitglied
#20 ° Gesendet: 08.10.2009 12:26
Lehm:
Gib mal bei Google "Konzertkritik" ein. Dazu allenfalls noch den Künstler und das Datum seines Konzerts.

Ich kann zu dem Konzert mit dem Tonhalle-Orchester, das ich kürzlich besucht habe, nichts finden...

Lehm:
Ich glaube, es liegt wirklich nur noch am Rascheln des Papiers. Und selbst das kann mit einem unterlegten Audiofile nachempfunden werden...wie das Klicken beim Fotohandy.

Nein, bestimmt nicht. Die Zeitung kann ich überallhin mitnehmen, mit dem Computer wird das ausserordentlich schwierig. Nicht alle Leute können oder wollen sich ein Notebook leisten.
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