Lehm:
Ist es nicht eher nur noch das sinnliche Erlebnis, das Rascheln der (grossformatigen) Zeitung neben Kaffee und Gipfeli, welches für die gedruckte Zeitung spricht?
Es fehlte ja noch, dass ich am Morgen am Bildschirm hänge. Ich lese die Zeitung beim Mittag- bzw. Abendessen.
Lehm:
Für Mode- und Gesellschaftszeitschriften wird aber nach wie vor Geld bezahlt, auch wenn das Niveau der Beiträge tief ist.
Warum? Weil es eine Mode-Elite gibt. Genau dasselbe Bedürfnis bei der Tageszeitung: Ich will in kompakter Form diejenigen Dinge von Fachjournalisten vertieft präsentiert bekommen, von denen ich selber eine Ahnung habe. In den Untiefen des Internet ist das nicht möglich.
Lehm:
Im Übrigen ist es ja nun mit etwas Erfahrung und Sprachkenntnissen nicht so schwierig, im Internet hochstehende Informationen zu finden.
So? Wo sind die Konzert- und Theaterkritiken? Welches Gelabber über die Innenpolitik oder die Wirtschaftslage soll ich abonnieren? Welche Meldungen aus Iran oder China im Hagel der Propagandaschlachten besitzen Glaubwürdigkeit? Kannst du chinesisch oder Farsi? Korrespondenten sind vielleicht nicht allwissend, haben aber eine bestimmte Glaubwürdigkeit, da sie vor Ort recherchieren, als Beobachter des Landes aber gleichzeitig eine bestimmte Distanz zu den Ereignissen wahren.
Zudem bündelt eine Zeitung all diese Informationen aus verschiedensten Ressorts, was sich billiger produzieren lässt und auch billiger zu haben ist, als wenn ich sie aus diversen Fachzeitschriften zusammenkaufen müsste.