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Selbstachtung 2009

 
krokodil
Mitglied
#1 ° Gesendet: 24.09.2009 20:51
"Die prinzipienlose Geldwirtschaft stiehlt dem Land die Glaubwürdigkeit"

"Diese Zeit musste Keller noch erleben: sein Alterswerk Martin Salander ist der grimmige Abschied von einer Republik, die ihre Substanz und Glaubwürdigkeit durch grenzenlose Profitsucht verspielt hat. Heute soll der Kleinstaat Schweiz für eine Großbank haften, deren Finanzvolumen sein Bruttosozialprodukt um ein Vielfaches übersteigt. Doch selbst wenn er ihre Schulden bezahlen müsste und könnte, bliebe der Misskredit an ihm haften. Denn zur Geisel dieses Geschäfts und damit über seine Verhältnisse erpressbar konnte er nur werden, weil er, mit seiner Garantie des Bankgeheimnisses, ihr Komplize gewesen ist."

http://www.zeit.de/2009/39/CH-Bettag?page=1

Grandioser Artikel von Adolf Muschg in der Zeit, danke der WW für den Hinweis ;-)!
seabream
Mitglied
#2 ° Gesendet: 24.09.2009 21:24
@Krokodil

ich finde den Artikel auch gut und beschreibt das Unbehagen aus literarischer Sicht ja sehr gefühlsbetont mit einem Stück Wahrheit im Kern. Rein fachlich gesehen hat er aber Mängel:

krokodil:
Heute soll der Kleinstaat Schweiz für eine Großbank haften, deren Finanzvolumen sein Bruttosozialprodukt um ein Vielfaches übersteigt

Dies ist grundsätzlich irrelevant. Das Volumen (sprich Bilanzsumme) sagt nichts über das Risiko aus. Die Bilanzsumme setzt sich zu einem wesentlichen Teil aus Bankendebitoren und Bankenkreditoren zusammen. Wenn also die UBS in den Aktiven die HSBC mit einer Millarde bilanziert hat als festen Vorschuss und gleichzeitig in den Passiven die gleiche Bank unter Bankenkreditoren mit einer Milliarde als Verpflichtungen bilanziert, dann ist der Saldo (sprich Risiko) gleich Null. Man müsste also die Bilanzsumme "verrechnet" betrachten.

krokodil:
Denn zur Geisel dieses Geschäfts und damit über seine Verhältnisse erpressbar konnte er nur werden, weil er, mit seiner Garantie des Bankgeheimnisses, ihr Komplize gewesen ist."

Das Problem der damals nötigen Liquiditätszufuhr vom Bund an die UBS und von der Ausgliederung von Subprimes in die SNB haben gar nichts mit dem Bankgeheimnis zu tun. Diesbezüglich waren ja ausländische Banken, welche kein Bankgeheimnis in dieser Form hatten, ja keinen Deut besser. Im Gegenteil: Der Finanzplatz Schweiz steht nach der Krise besser da im Vergleich mit dem Ausland als vorher. Da hat es Deutschland, England oder Frankreich viel härter getroffen. Trotz dieses Fiaskos muss man den Schweizer Banken im Zuge der Krise eine gutes Krisenmanagement zugestehen wie übrigens auch der Regierung oder vorallem der SNB. Dies ist einfach FAKTUM.
Allerdings bin ich auch der Meinung, wie Blocher schon vor 15 Jahren, dass das Klumpenrisiko der Grossbanken ein Problem darstellt für unsere Volkswirtschaft.
krokodil
Mitglied
#3 ° Gesendet: 24.09.2009 21:31
seabream:
Trotz dieses Fiaskos muss man den Schweizer Banken im Zuge der Krise eine gutes Krisenmanagement zugestehen wie übrigens auch der Regierung oder vorallem der SNB. Dies ist einfach FAKTUM.

Momentan sieht es gerade recht gut aus, so muss man auch erwähnen, dass viele Unternehmen, die bis vor kurzem noch in britischen Steueroasen beheimatet waren sich im Verlauf des letzten Jahres für die Schweiz entschieden haben. Zürich und Genf haben also von der Entwicklung profitiert.
seabream
Mitglied
#4 ° Gesendet: 24.09.2009 21:39
@Krokodil

Die Finanzkrise hat eben schon auch heilsame Entwicklungen. Somit ist bei vielen Investoren auch die Erwartungshaltung vom "schnellen Geld" wieder auf ein normales Mass zurückgeschraubt worden. Dies hat auch wieder Vorteile für reale Geschäfte und nachhaltige Ideen. Also es fliesst wieder mehr Kapital in ein seriöses Segment und wird nicht verspekuliert oder in nutzlose Projekte investiert, die keine Arbeitsplätze und reale Geschäfte darstellen. Natürlich zahlt die Rechnung nun nicht immer der Schuldige, dies ist ärgerlich aber leider normal.
krokodil
Mitglied
#5 ° Gesendet: 24.09.2009 22:38 ° Bearbeitet von: krokodil
seabream:
Also es fliesst wieder mehr Kapital in ein seriöses Segment und wird nicht verspekuliert oder in nutzlose Projekte investiert, die keine Arbeitsplätze und reale Geschäfte darstellen.

naja, das tönt aber sehr optimistisch,
oder in den Worten von Marc Faber auf Bloomberg:
http://blog.zeitenwende.ch/hansruedi-ramsauer/ich-mag-marc-faber/
 
 

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