gumbyman Mitglied
#112 ° Gesendet: 24.06.2007 02:03 |
@driver
Der NZZ-Artikel hat durchaus ein paar interessante Aspekte, ist aber im Kern unredlich. Das Beispiel mit den zwei Juristen ist völlig an den Haaren herbeigezogen: die überwiegende Mehrheit der 100'000 Fr/Jahr verdienenden arbeiten 100% oder mehr. Und dann gibt es noch die 100% und mehr arbeitenden die sehr wenig verdienen und damit gerade mal so über die Runden kommen. Wenn Du denen nun weismachen willst, sie sollten z.B. 15% ihres Einkommens abliefern, wohingegen der gut situierte Herr Rechtsanwalt im Nobelquartier nur 10% abliefern muss, dann wirst Du schnell spüren dass Du mit der Auffassung von Gerechtigkeit irgendwie falsch liegen musst.
Ausserdem - wie FEW schon erwähnte - darf man nicht vergessen, was der Staat für den Steuerzahler tut: das langjährige Studium (welches meistens Grundstein zu einem guten Job ist) wird im Wesentlichen vom Staat bezahlt. Die gut ausgebildeten Mitarbeiter einer Firma sind letztlich Produkte des staatlichen Bildungswesens. Stabilität, Sicherheit, Infrastruktur usw. sind Leistungen vom Staat, die ein Unternehmer automatisch in Anspruch nimmt. Dafür muss der Staat mittels Steuern entschädigt werden, sonst ist's bald aus mit all den Vorzügen.
Und die "Widerlegung" der Tatsache, dass der Grenznutzen von zusätzlichem Einkommen gegen Null geht (was letztlich die Steuerprogression begründet), ist natürlich hanebüchener Unsinn: das Beispiel der segelnden Juristen ist sowieso schon abenteuerlich, aber dass der teilzeit-jobbende Seglerfan weniger Nutzen aus einem zusätzlichen Franken ziehe als der Vollzeit-Jurist (beide müssen ihren Lebensunterhalt bestreiten, mindestens einer davon hat noch ein teures Hobby) ist nun wirklich abstrus. Auch der Kunstgriff mit "weniger Bedeutung beimessen" zieht nicht mal bei diesem konstruierten Fall, geschweige denn bei einem vollzeit arbeitenden Mensch mit weniger lukrativem Beruf. Das ist nun einfach verkehrt, Unsinn, Schwachfug.
Bin enttäuscht sowas in der NZZ zu lesen, aber es ist wohl natürlich, dass auch da die Qualität schwankt, ebenso wie auch an der besten Universität gute und schlechte Dozenten genauso wie gute und schlechte Studenten zu finden sind, naja...
g. |