FEW things Mitglied
#65 ° Gesendet: 13.04.2007 19:56 |
Der "Familienvater und stinknormale Arbeiter" hat leider ein paar Informationslücken:
rlarsson: Seit Jahren erhalten Familienväter in gewissen Wirtschaftskreisen real kaum mehr gewichtige Lohnerhöhungen mehr und gehen trotzdem täglich ihrer Arbeit nach. Deren Leben und das ihrer Familien werden von Tag zu Tag teurer. Die Krankenkassenprämien steigen, die Steuern und viele staatliche Gebühren und Zwangsabgeben steigen stetig an.
Das alles steigt eben auch für IV- und AHV-RentnerInnen, ohne dass ihre Renten real der Teuerung angepasst würden.
rlarsson: Viele dieser Menschen stempeln sich nun aber nicht einfach ab und wandern zur IV ab und lassen sich umsorgen.
Niemand wird freiwillig krank oder hat freiwillig einen Unfall und muss dann massgebliche Erwerbseinbussen in Kauf nehmen. Niemand wandert freiwillig zur IV...
rlarsson: Sie tragen mit Sorge zum Ausgleich unserer sozialen Systeme...
Wie es alle IV-EmpfängerInnen ebenfalls weiterhin tun und weiter schön brav und solidarisch ihre Steuern, Krankenkassenprämien und AHV/IV/EO-Beiträge bezahlen, obschon die wenigsten von ihnen überhaupt das AHV-Alter erreichen.
rlarsson: Wir müssen hier nun nicht die Diskussion führen, „Ist es sinnvoll zu arbeiten?“, „Abzockende CEOs“, „Steuerhinterziehung von Reichen“ etc..
Doch, diese Diskussion muss geführt werden.
rlarsson: Ich vermute fasst, dass du wohl noch nie den Unmut von tausenden von ArbeitnehmerInnen gehört hast, die es schon längst nicht mehr begreifen, wie manch ein IV- oder Sozialhilfebezüger ein viel schöneres Leben führen kann, da der Staat ihm die Alimente bezahlt und vieles mehr.
Unmut und Unverständnis haben meistens zum Grund, dass die Menschen schlecht informiert sind oder (wie in deinem Fall) gar nicht informiert sein möchten. Wenn jemand bei einer 100%-Stelle weniger verdient als das Existenzminium für einen Sozialhilfeempfänger, muss man nicht die Frage stellen, warum bekommt der Sozialhilfeempfänger mehr, sondern: Warum bekommt der Arbeiter einen so kleinen Lohn, von dem er seine Familie nicht ernähren kann?
rlarsson: Die Solidarität fängt aus meiner Sicht aber dann an zu wanken, wenn der Bogen überspannt wird.
Richtig. Der Bogen ist dann überspannt, wenn die Aktionäre und Manager einer Firma Millionen einkassieren, auf der anderen Seite ihre Mitarbeiter aber so schlecht bezahlt werden, dass sie davon nicht mehr anständig leben können.
rlarsson: Die 5. IV-Revision kann nicht das Ende sein, es wird eine 6. und auch noch weitere Revisionen geben müssen. Am Schluss wird Geld, oder ein Stück vom Kuchen verteilt. Der Kuchen wird wohl auch zukünftig nicht üppiger ausfallen, ausser man steckt sehr viel mehr Geld hinein (was ich nicht glaube, das Volk würde dies an der Urne ablehnen und wohl nur der Schuldensanierung zustimmen).
Worüber redest du hier eigentlich? Wir stimmen bei der 5. IV-Revision weder über das Verteilen des Kuchens, noch über eine Schuldensanierung der IV ab. Wir stimmen allein über einschränkende Massnahmen und Kürzungen für die Direktbetroffenen ab. Um dies durchzusetzen werden gemäss der 5. IV-Revision pro Jahr 500 Millionen mehr ausgegeben und kein Rappen eingespart.
rlarsson: Leider bezogen in der jüngeren Vergangenheit immer mehr Menschen eine IV-Rente, was das Problem nun zusätzlich anheizt.
Wenn immer mehr Menschen dazu gezwungen sind, IV-Leistungen in Anspruch zu nehmen, kann man nicht einfach diese Menschen aus der IV vertreiben. Man muss den Gründen nachgehen, weshalb immer mehr Menschen die IV nötig haben.
rlarsson: Sorry, weder eine Grundrente noch Geldspritzen oder sonst welche linken Ideen werden die Probleme im Sozialwesen oder speziell bei der IV lösen.
Deine Behauptung. Belegen wirst du das nicht können. Die "Grundrente" ist übrigens keine "linke" Idee, sondern kommt aus bürgerlichen Kreisen.
rlarsson: Die 5. Revision ist aber erstmals ein richtiger Schritt...
Warum?
rlarsson: viele Rentner wieder in das Erwerbsleben rückführen zu wollen.
Ins Erwerbsleben zurückführen "wollen" und zurückführen "können" sind zwei verschiedene Gummistiefel. Die Arbeitgeber haben klar zu verstehen gegeben, dass sie keine neuen Stellen für erwerbseingeschränkte Personen zur Verfügung stellen können.
rlarsson: Dafür wird Geld investiert und die Wirtschaft wird mit auch in die Verpflichtung genommen.
Exakt das stimmt nicht. Die Arbeitgeber werden mit der 5. IV-Revision nicht in die Pflicht genommen. Im Gegenteil: Sie erhalten ein Instrument in die Hand, um erwerbseingeschränkte Mitarbeiter viel früher als je zuvor an die IV abschieben zu können.
rlarsson: Das schreibt ein Familienvater und stinknormaler Arbeiter.
Der mal die Informationen zur 5. IV-Revision zur Kenntnis nehmen und nicht immer nur den Propagandisten für die 5. IV-Revision nachplappern sollte. Denn die Geschädigten der 5. IV-Revision sind auch, aber nicht in erster Linie die heutigen Behinderten, sondern alle zukünftigen Behinderten, die schön brav weiter ihre Prämien bezahlen (müssen), aber im Falle einer Invalidität kaum mehr werden Unterstützung bekommen. Für einen "Familienvater und stinknormalen Arbeiter" könnte das verheerende Folgen haben...
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