http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/GSoA-lanciert-Initiative- gegen-Wehrpflicht/story/16706421Meiner Meinung nach eine der sinnvollsten und brisantesten Initiativ-Ideen seit langem.
Vor allem, wenn man sich gleichzeitig noch diese Umfrage dazu ansieht:
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Wehrpflicht-findet-keine- Mehrheit-mehr/story/11320260Klar wird es das Anliegen schwer haben, da sich der ganze bürgerliche Block von Mitte bis rechts aussen vehement dagegen stemmt. Aber es ist m.E. eben nicht so einfach und schwarz-weiss, wie die Bürgerlichen es darstellen: Erstens stellt die Abschaffung der Wehrpflicht (oder anders gesagt: des Militärzwangs für Männer) weder die Abschaffung der Armee an sich noch der Miliz dar, das anvisierte Ziel scheint eine freiwillige Milizarmee zu sein, die zwar deutlich kleiner ist als das heutige Massenheer, aber die eben immer noch eine Armee ist. Um die Abschaffung der Armee geht es in der Initiative nicht, auch wenn die Gegner die anstehende Debatte wohl auf Abschaffungsdiskussion ablenken werden (wie immer bei GsoA-Initiativen).
Zudem muss man nicht zwingend Pazifist sein, um dem Anliegen zuzustimmen. Vielmehr spricht die Macht des Faktischen (Frauen müssen schon heute nicht ins Militär, und um die 40% der Männer umgehen die Wehrpflicht, als wäre dies völlig normal) dafür, ausserdem entspricht der Miltärzwang nicht unserem liberalen Gesellschaftsmodell, das versucht, mit möglichst wenig staatlichen Zwängen auszukommen. Die Wehrpflicht stammt noch aus einer Zeit, als man jederzeit damit rechnen musste, dass eine fremde Armee die Landesgrenzen durchbrechen will. Darum war es konsequent, dass man einerseits eine grosse Zahl an Soldaten zur Verfügung haben wollte und man andererseits das Kriegsszenario in den Alltag der ganzen Bevölkerung einbezog. Heute hat sich die Situation geändert. Natürlich gibt es immer noch ein Kriegsrisiko, doch das ist nicht mehr so allgegenwärtig wie noch vor Jahrzehnten. Deshalb finde ich es nicht gerechtfertigt, dass die Armee einen derart grossen Platz im Alltag einnehmen muss wie das heute der Fall ist.
Das Militär braucht es weiterhin, aber es sollte wie die Polizei, die Feuerwehr oder das Sozialamt im als Form des service public im Hintergrund agieren, anstatt sich der ganzen Bevölkerung als Teil ihres alltäglichen Lebens aufzudrängen, zumal der Militärdienst ein vergleichsweiser schwerer Eingriff in die inidividuelle Freiheit darstellt.
Man wird wohl einwenden, dass diese Verzahnung zwischen Militär und Zivilem ja gerade der Sinn der Miliz darstelle. Ja, zugegeben. doch die Miliz funktioniert in anderen Bereichen (z.B in der Politik) ja auch ohne Zwang. Miliz bedeutet doch in erster Linie nicht-profimässig, nebenher, und nicht Zwang. M.E. ist es heutzutage einfach nicht mehr gerechtfertigt und zumutbar, dass sich jeder junge Mann in diesem Land dazu verpflichten muss zu töten oder getötet zu werden oder zumindest dazu, dieses Szenario nachzuspielen und einer grossen Teil seiner Arbeits-, Ausbildungs- und Freizeit dafür herzugeben.
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