Forenübersicht ° Suchen ° Statistik °

Wahlkampf, Initativen und Abstimmungen Diskussionsforum Politik / Wahlkampf, Initativen und Abstimmungen /

Initiative gegen die Wehrpflicht

 Seite:  1  2  3  »» 
AdiB
Mitglied
#1 ° Gesendet: 18.04.2010 11:58
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/GSoA-lanciert-Initiative- gegen-Wehrpflicht/story/16706421

Meiner Meinung nach eine der sinnvollsten und brisantesten Initiativ-Ideen seit langem.
Vor allem, wenn man sich gleichzeitig noch diese Umfrage dazu ansieht:

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Wehrpflicht-findet-keine- Mehrheit-mehr/story/11320260

Klar wird es das Anliegen schwer haben, da sich der ganze bürgerliche Block von Mitte bis rechts aussen vehement dagegen stemmt. Aber es ist m.E. eben nicht so einfach und schwarz-weiss, wie die Bürgerlichen es darstellen: Erstens stellt die Abschaffung der Wehrpflicht (oder anders gesagt: des Militärzwangs für Männer) weder die Abschaffung der Armee an sich noch der Miliz dar, das anvisierte Ziel scheint eine freiwillige Milizarmee zu sein, die zwar deutlich kleiner ist als das heutige Massenheer, aber die eben immer noch eine Armee ist. Um die Abschaffung der Armee geht es in der Initiative nicht, auch wenn die Gegner die anstehende Debatte wohl auf Abschaffungsdiskussion ablenken werden (wie immer bei GsoA-Initiativen).

Zudem muss man nicht zwingend Pazifist sein, um dem Anliegen zuzustimmen. Vielmehr spricht die Macht des Faktischen (Frauen müssen schon heute nicht ins Militär, und um die 40% der Männer umgehen die Wehrpflicht, als wäre dies völlig normal) dafür, ausserdem entspricht der Miltärzwang nicht unserem liberalen Gesellschaftsmodell, das versucht, mit möglichst wenig staatlichen Zwängen auszukommen. Die Wehrpflicht stammt noch aus einer Zeit, als man jederzeit damit rechnen musste, dass eine fremde Armee die Landesgrenzen durchbrechen will. Darum war es konsequent, dass man einerseits eine grosse Zahl an Soldaten zur Verfügung haben wollte und man andererseits das Kriegsszenario in den Alltag der ganzen Bevölkerung einbezog. Heute hat sich die Situation geändert. Natürlich gibt es immer noch ein Kriegsrisiko, doch das ist nicht mehr so allgegenwärtig wie noch vor Jahrzehnten. Deshalb finde ich es nicht gerechtfertigt, dass die Armee einen derart grossen Platz im Alltag einnehmen muss wie das heute der Fall ist.

Das Militär braucht es weiterhin, aber es sollte wie die Polizei, die Feuerwehr oder das Sozialamt im als Form des service public im Hintergrund agieren, anstatt sich der ganzen Bevölkerung als Teil ihres alltäglichen Lebens aufzudrängen, zumal der Militärdienst ein vergleichsweiser schwerer Eingriff in die inidividuelle Freiheit darstellt.
Man wird wohl einwenden, dass diese Verzahnung zwischen Militär und Zivilem ja gerade der Sinn der Miliz darstelle. Ja, zugegeben. doch die Miliz funktioniert in anderen Bereichen (z.B in der Politik) ja auch ohne Zwang. Miliz bedeutet doch in erster Linie nicht-profimässig, nebenher, und nicht Zwang. M.E. ist es heutzutage einfach nicht mehr gerechtfertigt und zumutbar, dass sich jeder junge Mann in diesem Land dazu verpflichten muss zu töten oder getötet zu werden oder zumindest dazu, dieses Szenario nachzuspielen und einer grossen Teil seiner Arbeits-, Ausbildungs- und Freizeit dafür herzugeben.

DIe Diskussion ist eröffnet...
rlarsson
Mitglied
#2 ° Gesendet: 18.04.2010 12:45
AdiB:
Meiner Meinung nach eine der sinnvollsten und brisantesten Initiativ-Ideen seit langem.
Vor allem, wenn man sich gleichzeitig noch diese Umfrage dazu ansieht:

Nun ja, es wurden durch das Institut M.I.S Trend 600 Schnäuze befragt. Ob das repräsentativ ist, das bezweifle ich. Das VBS Budget beträgt heute noch ungefähr 4 Milliarden Franken pro Jahr (Tendenz sinkend), bei kleinem Investitionsvolumen in neue und moderne Systeme und steigenden Unterhaltskosten von Systemen, die die Politik durch ihre Rüstungsblockade ja auch nicht erneuern resp. ersetzen will.

Schon nur 10'000 Berufssoldaten (Annahme von mir) würden mit Lohn- und Lohnnebenkosten von 2 Milliarden pro Jahr zu Buche schlagen. Ich frage mich, ob die Politik bis ins Lager der Pazifisten und GsoAler hinein gewillt wäre, das Budget des VBS aufzustocken? Das glaube ich nicht. Diese 10'000 Berufssoldaten müsste man mit aktuellem und neuem Material bei Laune halten, denn ansonsten werden die Tage langweilig. Das Parlament wird also wohl kaum mehr Geld für neue Systeme bewilligen.

AdiB:
Um die Abschaffung der Armee geht es in der Initiative nicht, auch wenn die Gegner die anstehende Debatte wohl auf Abschaffungsdiskussion ablenken werden (wie immer bei GsoA-Initiativen).

Und weil man im Parlament nicht auf Pazifisten und Armeeabschaffer zählen kann, um was denn sonst?
Bünzli
Mitglied
#3 ° Gesendet: 18.04.2010 12:52
AdiB:
DIe Diskussion ist eröffnet...

Es gibt keine rationalen Gründe, die gegen eine Aufhebung der allgemeinen Wehrpflicht sprechen.
Wir dürfen uns auf eine Schmierenkomödie aus dem Hause SVP freuen mit schwachem Gejammer auf pseudoemotionaler Ebene und einem ewigen lautstarken Wiederholen der selben zwei drei Schlagworte.
Bünzli
Mitglied
#4 ° Gesendet: 18.04.2010 12:56
QED
Danke robi! lol
AdiB
Mitglied
#5 ° Gesendet: 18.04.2010 13:11 ° Bearbeitet von: AdiB
Bünzli:
Wir dürfen uns auf eine Schmierenkomödie aus dem Hause SVP freuen mit schwachem Gejammer auf pseudoemotionaler Ebene und einem ewigen lautstarken Wiederholen der selben zwei drei Schlagworte.

....Vor allem auf eine Diskussion, die unsachlich, nach schwarz-weiss-Muster und am eigentlichen Thema vorbei geführt wird. Bereits jetzt sieht man ja in den Leserkommentaren, dass die Abschaffung der Wehrpflicht entweder mit der Einführung einer Berufsarmee oder mit der Abschaffung der Armee gleichgesetzt wird. Oder es wird einfach auf den Initianten herumgehackt. Doch darum geht es nicht. Ich bin auch nicht unbedingt ein GsoA-Anhänger, die sind mit zu sehr links-aussen-dogmatisch, und die Armee ganz abschaffen will ich sicher nicht. Ich will auch keine Berufsarmee. Aber hier geht es um einzig darum, ob das Militär freiwillig werden soll oder nicht, der Absender interessiert mich weniger - und wenn halt niemand sonst die Initiative lanciert...
Bünzli
Mitglied
#6 ° Gesendet: 18.04.2010 13:22
AdiB:
und wenn halt niemand sonst die Initiative lanciert...

... dann macht das halt die GsoA und ...
Bünzli:
Es gibt keine rationalen Gründe, die gegen eine Aufhebung der allgemeinen Wehrpflicht sprechen.

rlarsson
Mitglied
#7 ° Gesendet: 18.04.2010 13:36
AdiB:
....Vor allem auf eine Diskussion, die unsachlich, nach schwarz-weiss-Muster und am eigentlichen Thema vorbei geführt wird.

Nun ja, du siehst ja an der Reaktion von @Bänzli, dass dieser gar keine Diskussion führen will. Er reiht sich bestens in die Kackophonie-Tröter der GSoA mit ein. Dir nehme ich es indes völlig ab, dass dir die Diskussion wichtig ist.

Die politische Diskussion wird in Zukunft sicher sehr interessant werden. Europa bewegt sich, die Welt bewegt sich. Leider zur Zeit eher weniger positiv. Frieden ist vielerorts schwer greifbar, ja verschwindet er aus der Gesellschaftsordung, wenn totalitäre Regime die Weltordnung bestimmen. Die Zukunftsängste werden zweifelsohne zunehmen, weil Hysterie unsere Zukunft prägen wird (bestes Beispiel die Klimadiskussion). Wir werden (wie in der Vergangeheit üblich) ein bewährtes Modell für unsere Armee finden. Sie hat sich immer schon angepasst, auch unter Guisan während und vor dem 2. Weltkrieg.

Ich bin gepannt, was eine Armee, wie du sie hier zeichnest, denn auch kosten würde? Ein bisschen flau im Bauch wird mir, weil man leicht in Gefahr läuft, dass man die Falschen in die Armee lockt, wenn sie freiwillig sein soll. Und solche Hobby-Rambos und Chäppsler wären wohl die völlig Falschen. In den USA funktioniert es ohne Anwerbung, PR-Shows und Bonus schon gar nicht mehr, junge Menschen für die Army zu gewinnen.
rlarsson
Mitglied
#8 ° Gesendet: 18.04.2010 14:00 ° Bearbeitet von: rlarsson
Ein Problem sehe ich glasklar: Die Armee muss zwingend wirtschaftsfreundlicher werden, damit Militärdienst und berufliche Karriere auch in Zukunft kein Widerspruch bleiben. Das grösste Problem in unserer Milizarmee ist es, die unmotivierten Pöbler wie @Bänzli (lol) auszusortieren.

Die Milizarmee ist aber bei weitem nicht so schlecht, wie sie zum Teil schlecht gemacht wird. Sie bindet und es entstehen auf Grund der altersmässigen Durchmischung nützliche Netzwerke. Vom Bürgogummi über den Landwirt zum Soziologiestudent und Banker machen sich alle die Hände schmutzig. Nur so ist die Armee ein Spiegelbild der Schweiz, in der alle gesellschaftlichen Schichten vertreten sind.
AdiB
Mitglied
#9 ° Gesendet: 18.04.2010 14:14
rlarsson:
Ein bisschen flau im Bauch wird mir, weil man leicht in Gefahr läuft, dass man die Falschen in die Armee lockt, wenn sie freiwillig sein soll. Und solche Hobby-Rambos und Chäppsler wären wohl die völlig Falschen. In den USA funktioniert es ohne Anwerbung, PR-Shows und Bonus schon gar nicht mehr, junge Menschen für die Army zu gewinnen.

Da gebe ich dir Recht, das könnte ein Problem werden. Nur glaube ich, dass das dieses Szenario dank "blauem Weg" bereits teilweise Realität ist. Es wäre so oder so die Sache der Armee, den Militärdienst (wieder?) so attraktiv zu machen, dass sich auch ein gut ausgebildeter und gut integrierter Bürger dafür erwärmen kann.

rlarsson:
Die Milizarmee ist aber bei weitem nicht so schlecht, wie sie zum Teil schlecht gemacht wird. Sie bindet und es entstehen auf Grund der altersmässigen Durchmischung nützliche Netzwerke. Vom Bürgogummi über den Landwirt zum Soziologiestudent und Banker machen sich alle die Hände schmutzig. Nur so ist die Armee ein Spiegelbild der Schweiz, in der alle gesellschaftlichen Schichten vertreten sind.

Das ist auch richtig. Ich habe auch nichts gegen die Miliz, wie gesagt. Ich will nur das Obligatorium nicht mehr.
H2
Mitglied
#10 ° Gesendet: 19.04.2010 08:54
Die Frage sei erlaubt:

Wenn die Abschaffung der Wehrpflicht keine Abschaffung der Armee sein soll, wie sollen denn in Zukunft die notwendigen personellen Ressourcen rekrutiert werden? Sagt die Initiative darüber etwas aus?

Aus meiner Sicht ist es so, dass man sich zu erst mal darüber unterhalten muss, ob eine Armee sein soll oder nicht (da gehöre ich eher zu der Variante nicht) - und wenn dies beantwortet ist (und das wurde es), dann soll man sich darüber unterhalten wie die Armee zu ihren Leuten kommt.

Da gibt es die Varianten:
- Berufsarmee
- Freiwilligenarmee
- Wehrpflicht

und da sind meine Präferenzen eindeutig bei der Wehrpflicht und zwar für ALLE und nicht nur für die, die gerade keine passende Ausrede bereit haben.
 Seite:  1  2  3  »» 
 

Foren

Themen

Weiterempfehlen

Werbung

Anmelden

oder kostenlos registrieren

Jetzt online

Jetzt online: Gäste - 4
Registrierte Gäste - 0
Online Rekord: 33 [15.08.2008 15:34]
Gäste - 30 / Registrierte Gäste - 3

Das Forum ist CO2-neutral

Facebook