Thomas:
Die Spassgesellschaft lässt grüssen. Nicht mehr Inhalte sind gefragt, sondern diejenigen, die sich am besten vermarkten. Das Laut-gegen-andere-Anschreien verdrängt das behutsame Vor-sich-hin-Philosophieren. Und die Medien machen fröhlich mit
@Thomas - (und @Krokodil, @rawbee, @AdiB, @swissalicious u. a)
Völlig richtig. Der Verluste der SP geben zu denken - nur zwei Punkte vorweg:
Erstens gab es eine Verschiebung im linken Lager hin zu den Grünen: Das ist erfreulich, weil die Grünen die Politik der SP vielen Bereichen mittragen und offenbar die Kernkompetenz der Grünen: die Umweltpolitik, immer stärker von den Wählern anerkannt wird.
Zweitens muss man den Wählerwillen respektieren - doch muss man analysieren, wie er zustande kommt. Natürlich aufgrund der politischen Botschaften der Parteien. Doch die Frage ist: Welche Inhalte erreichen die Öffentlichkeit und wie? Und da sind wir schon bei den Medien und bei dem seltsamen Journalismus, der heute betrieben wird. Es nützt nichts, gegen diesen Journalismus anzukämpfen, man sollte sich seiner bedienen - und da haben die Linken eine besonders schwierige Aufgabe: Viele ihrer Wähler mögen keine politische Marktschreierei, aber ohne dieselbe geht man im Stimmengewirr tendenziell unter. Das Problem ist: Wer von den Linken nimmt Levrat denn ernst, wenn er eine UBS-Aktie kauft und an die General-Versammlung geht? Das ist doch Kasperli-Theater, zwecks Medienaufmerksamkeit, was jeder Linke durchschaut.
Das Interessante ist, dass die linken Parteien seit Okt. 07 mehr Erfolge in den Parlamenten und bei Volksabstimmungen verbuchen, den je. Woher also diese Diskrepanz zwischen Abstimmungen und Wahlen? Meine Hypothese ist: Eigentliche Sachpolitik hat heute kaum mehr Öffentlichkeit. Politik wird heute mehr den je in den Parlamenten gemacht; Demos und ausserparlamentarische Initiativen und Anliegen finden kaum mehr Beachtung; gleichzeitig verkürzen sich die Ratsberichte in den Zeitungen, sogar in der NZZ.
Was in den Medien zählt, ist Politik, die an eine Person geknüpft werden kann: Wenn Jasmin Hutter schwanger würde, weiss es bald die ganze Schweiz, wenn Pascale Bruderer ebenfalls Mutter würde, wenn würde es kümmern? Würde man aber die politischen Leistungen der beiden vergleichen, da käme Hutter ziemlich flach heraus - aber man kennt sie wegen ihrer dummdreisten Sprüche, mit der sie die halbschlauen Studienabbrecher auf den Redaktionen der Gratiszeitungen auf Trab hält.
Stellvertretend für den Wandel in der politischen Öffentlichkeit (ich weiss: Politik ist im Grunde immer öffentlich) ist die Brasilianerin, welche sich die Lettern der SVP in die Haut ritzte. Solche Meldungen erhalten Aufmerksamkeit und sie sind schrecklicherweise meinungsbildend. In Schweizer Altersheimen - so habe ich gelesen - wird mittlerweile brasilianisches Personal angefeindet. Dort residieren Leute, die auf jeden Fall wählen gehen.
Die SVP hat die politische Öffentlichkeit mehr in der Hand, als sie selber dafür kann. Das letzte Kapitel in der Diskussion: "
Die Linken müssen über die Bücher" ist offenbar noch lange nicht geschrieben.