leonforte:
da kriegt man eine steilvorlage serviert, bvg umwandlungssatz ..... und was macht man daraus in zürich und winterthur .....
Naja, die Verluste in beiden Städten fielen weniger deutlich aus, als man das aufgrund des nationalen Trends hätte erwarten können - immerhin. Und im Vergleich zu den letzten NR-Wahlen konnte die SP sogar zulegen (das hiess es zumindest im Radio heute morgen).
Ausserdem könnte die Kampagne gegen den tieferen Umwandlungssatz sogar eher kontraproduktiv gewesen sein. Insbesondere im Kanton Zürich denken viele Linke in Wirtschaftsfragen mittlerweile eher bürgerlich, Klassenkampf ist out - darum wohl auch der GLP-Erdrutsch.
leonforte:
die sp wird immer mehr als das was sie ist wahrgenommen, die steuerpartei.
Die SP will ja auch keine rechtsbürgerlichen Anti-Etatisten als Wähler gewinnen...Und Leute, die für einen Ausbau des Staates sind, gibt es nach wie vor viele, wenn auch in der Deutschschweiz immer weinger...
Zu dem ewigen Vorwurf, die SP sei keine "Arbeiterpartei" mehr: Da kann ich nur noch ein weiteres Mal wiederholen, dass es sicher nicht die beste Idee wäre, wenn die SP ihr Fähnchen plötzlich in die entgegengesetzte Windrichtung drehen würde, nur weil ungebildete Geringverdiener (bzw. die "Arbeiter") infolge des Strukturwandels den Linken den Rücken gekehrt haben und jetzt eher rechtsbürgerliche Werte vertreten. Die sollen eben SVP wählen, wenn sie das wollen, deswegen muss die SP nicht ihr linkes Profil aufgeben.
Das Problem der SP sind (zumindest in Zürich) nicht die abspringenden "Arbeiter", sondern die gut ausgebildeten urbanen Wähler, die zu den Grünliberalen überlaufen. Die Lösung des Problems wäre vielleicht etwas weniger angestaubte Klassenkampf-Rhetorik sowie neues Personal. Nur gilt dies nur für die Deutschschweiz, in der Westschweiz wird die SP wie es scheint als zu wenig "klassenkämpferisch" angesehen...
Das ist wohl auch der tiefere Grund für die Krise der Sozialdemokratie allgemein: Die SP vereinte ursprünglich (bzw. zwischen den 70er und den 90er Jahren) zwei teils gegensätzliche politische Richtungen bzw. soziale Milieus: Die Sozialkonservativen / "Arbeiter" und die Sozial-/Ökoliberalen / Alt-68er/Bildungselite (die berühmten "Gutmenschen"). Die sozialkonservativen "Arbeiter" stören sich jetzt aber immer mehr an den Forderungen der Sozialliberalen/"Bildungselite" (wie der liberalen Ausländerpolitik sowie der "Öko"-Haltung), und umgekehrt stören sich die Sozialliberalen an der für sie überholten Klassenkampfrhetorik wie dem Kampf gegen sämtliche Rentenkürzungen oder gegen die Sonntagsarbeit. Folge:Abwanderung nach allen Seiten: zu den Rechten, zu den Linksaussen und in die Mitte. Exemplarisch für die Abwanderung der Sozialkonservativen steht der Erfolg des MCG in Genf, umgekehrt steht für die Abwanderung der Linksliberalen die GLP in Zürich.
Ich weiss nicht, ob diese Entwicklung überhaupt noch zu stoppen ist oder ob das früher oder später in eine Spaltung in eine sozialistisch-strukturkonservative PS Romand und eine liberale SÖLP (Sozial- und ökoliberale Partei) Deutschschweiz führen wird. Wäre schade, aber konsequent...
Mit einem angeblich zunehmenden Hass auf den Staat und Beamte hat der Abstieg der SP m.E. aber eher weniger zu tun. Es gibt zwar extrem viele Staatsangestellte in der SP (so wie es viele Manager in der FDP und viele Bauern und Gewerbler in der SVP gibt), aber ich denke nicht, dass allein diese Tatsache die Geringverdiener in die Arme der SVP treibt. Die "Büezer" sind zwar zunehmend Ausländer-, Eliten- und Öko-feindlich, aber nicht unbedingt "staatsfeindlich" (sonst hätten diese gestern JA gestimmt, was sie augenscheinlich nicht taten...) Wenn schon, sind es die neuen GLP-Wähler, die sich am Image der SP als Beamtenpartei stören.