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Die SP verliert und verliert

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leonforte
Mitglied
#1101 ° Gesendet: 08.03.2010 10:54
da kriegt man eine steilvorlage serviert, bvg umwandlungssatz ..... und was macht man daraus in zürich und winterthur .....

die sp wird immer mehr als das was sie ist wahrgenommen, die steuerpartei. mehr geld für dies, mehr geld für das und nun auch mehr geld um das ungleichgewicht in den pk zu finanzieren. geld von wem .... richtig von denen die schon heute steuern bezahlen und diejenigen die das noch als sp mitglied tun, werden das bald als nicht sp mitgliet tun ....
AdiB
Mitglied
#1102 ° Gesendet: 08.03.2010 19:25 ° Bearbeitet von: AdiB
leonforte:
da kriegt man eine steilvorlage serviert, bvg umwandlungssatz ..... und was macht man daraus in zürich und winterthur .....

Naja, die Verluste in beiden Städten fielen weniger deutlich aus, als man das aufgrund des nationalen Trends hätte erwarten können - immerhin. Und im Vergleich zu den letzten NR-Wahlen konnte die SP sogar zulegen (das hiess es zumindest im Radio heute morgen).

Ausserdem könnte die Kampagne gegen den tieferen Umwandlungssatz sogar eher kontraproduktiv gewesen sein. Insbesondere im Kanton Zürich denken viele Linke in Wirtschaftsfragen mittlerweile eher bürgerlich, Klassenkampf ist out - darum wohl auch der GLP-Erdrutsch.

leonforte:
die sp wird immer mehr als das was sie ist wahrgenommen, die steuerpartei.

Die SP will ja auch keine rechtsbürgerlichen Anti-Etatisten als Wähler gewinnen...Und Leute, die für einen Ausbau des Staates sind, gibt es nach wie vor viele, wenn auch in der Deutschschweiz immer weinger...

Zu dem ewigen Vorwurf, die SP sei keine "Arbeiterpartei" mehr: Da kann ich nur noch ein weiteres Mal wiederholen, dass es sicher nicht die beste Idee wäre, wenn die SP ihr Fähnchen plötzlich in die entgegengesetzte Windrichtung drehen würde, nur weil ungebildete Geringverdiener (bzw. die "Arbeiter") infolge des Strukturwandels den Linken den Rücken gekehrt haben und jetzt eher rechtsbürgerliche Werte vertreten. Die sollen eben SVP wählen, wenn sie das wollen, deswegen muss die SP nicht ihr linkes Profil aufgeben.

Das Problem der SP sind (zumindest in Zürich) nicht die abspringenden "Arbeiter", sondern die gut ausgebildeten urbanen Wähler, die zu den Grünliberalen überlaufen. Die Lösung des Problems wäre vielleicht etwas weniger angestaubte Klassenkampf-Rhetorik sowie neues Personal. Nur gilt dies nur für die Deutschschweiz, in der Westschweiz wird die SP wie es scheint als zu wenig "klassenkämpferisch" angesehen...
Das ist wohl auch der tiefere Grund für die Krise der Sozialdemokratie allgemein: Die SP vereinte ursprünglich (bzw. zwischen den 70er und den 90er Jahren) zwei teils gegensätzliche politische Richtungen bzw. soziale Milieus: Die Sozialkonservativen / "Arbeiter" und die Sozial-/Ökoliberalen / Alt-68er/Bildungselite (die berühmten "Gutmenschen"). Die sozialkonservativen "Arbeiter" stören sich jetzt aber immer mehr an den Forderungen der Sozialliberalen/"Bildungselite" (wie der liberalen Ausländerpolitik sowie der "Öko"-Haltung), und umgekehrt stören sich die Sozialliberalen an der für sie überholten Klassenkampfrhetorik wie dem Kampf gegen sämtliche Rentenkürzungen oder gegen die Sonntagsarbeit. Folge:Abwanderung nach allen Seiten: zu den Rechten, zu den Linksaussen und in die Mitte. Exemplarisch für die Abwanderung der Sozialkonservativen steht der Erfolg des MCG in Genf, umgekehrt steht für die Abwanderung der Linksliberalen die GLP in Zürich.

Ich weiss nicht, ob diese Entwicklung überhaupt noch zu stoppen ist oder ob das früher oder später in eine Spaltung in eine sozialistisch-strukturkonservative PS Romand und eine liberale SÖLP (Sozial- und ökoliberale Partei) Deutschschweiz führen wird. Wäre schade, aber konsequent...

Mit einem angeblich zunehmenden Hass auf den Staat und Beamte hat der Abstieg der SP m.E. aber eher weniger zu tun. Es gibt zwar extrem viele Staatsangestellte in der SP (so wie es viele Manager in der FDP und viele Bauern und Gewerbler in der SVP gibt), aber ich denke nicht, dass allein diese Tatsache die Geringverdiener in die Arme der SVP treibt. Die "Büezer" sind zwar zunehmend Ausländer-, Eliten- und Öko-feindlich, aber nicht unbedingt "staatsfeindlich" (sonst hätten diese gestern JA gestimmt, was sie augenscheinlich nicht taten...) Wenn schon, sind es die neuen GLP-Wähler, die sich am Image der SP als Beamtenpartei stören.
leonforte
Mitglied
#1103 ° Gesendet: 10.03.2010 10:36
Grundsätzlich eine analyse die noch ein wenig strauchelt, weil man immer noch im glaubenbekenntnis verharrt, dass der staat grundsätzlich immer gut ist.

die abwanderung der arbeiter aus der sp kommt nicht zustande, weil diese zuwenig klassenkämpferisch ist, sondern weil ein interessenkonflikt zwischen arbeiterklasse und jenen kreisen besteht, die leistungen im rahmen des sozialstaates anbieten. erstere sind zwar für sozialleistungen aber gegen den bezug derselben durch "nichtberechtigte" - sprich aussersystemische. letztere verdienen genau so das geld. das erstere wieder über steuern bezahlen. da arbeiter eher dem unteren mittelstand angehören, sind sie von der abgaben und steuerpolitik der sp am stärksten negativ betroffen. die abwanderung der arbeitenden zur svp ist deshalb nicht ausdruck von weniger intelligenz oder dummheit.

umgekehrt beginnt das obere ende, also die gutverdienenden sp wähler (staatsangestellte), auf die steuerschraube zu reagieren. die immer grösseren leistungen des staates treffen auch diese sich im mittelstand befindlichen kreise nun so stark, dass die sich nach alternativen umsehen und diese auch gefunden haben.

übrig bleiben die arbeitslosen, sozial schwach integrierte eingebürgerte neueschweizer (ehemalige asylanten und sonstige ausländer), alleinerziehende, ausgesteuerte samt ihrem betreuungspack. ihnen dient das credo des starken helfenden staates, indem sie von dieser hilfe selber direkt oder indirekt profitieren.

die aufsplitterung der partei in diese drei interessengruppen ist ein fortlaufender prozess. die arbeiter sind schon weg - was die funktionäre natürlich noch nicht bemerkt haben. in den gewerkschaften beispielsweise werden schwergewichtig nicht mehr die interessen der schweizerischen facharbeiter vertreten, sondern jene der schlechtqualifizierten ausländer. die zweite interessengruppe verlässt zur zeit das boot und die dritte wird schon bald bestimmen welchen kurs die partei nehmen wird.
Hexxe
Mitglied
#1104 ° Gesendet: 11.03.2010 15:13 ° Bearbeitet von: Hexxe
Thomas:
Und der Minder ärgert sich indessen grün und rot - selber schuld, wenn man mit den rechtskonservativen Gutmenschen paktiert. Dass man dabei den Linken Opportunismus aus wahltaktischen Gründen vorwirft, entbehrt nicht einer gewissen Ironie: aus welchen Gründen hat sich denn wohl die Selbsternannte VolksPartei zum Kampf gegen Lohnexzesse entschlossen?

Ach es ist immer schön wenn man euch Rot und Grünnasen die Fakten vorlegen kann ;-)
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Koalition-der-BlocherAbwa ehler-hat-schnelle-Loesung-verunmoeglicht/story/29998749
Hexxe
Mitglied
#1105 ° Gesendet: 11.03.2010 15:16
gumbyman:
...äxgüsi wenn mir der "Blick" nicht als erstes in den Sinn kommt für neutrale Info.
Die Kardinalsfrage ist übrigens, wann ihm der Fehler als solcher bewusst wurde, nicht ob er zuvor schon mal gemacht wurde.

g.

Na eventuell klappt es mit dem Tagi....hoffnungsvoll grüsst Hexxe
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Die-SP-verliert-langsam-d ie-Geduld-mit-Lumengo/story/27104257
Thomas
Mitglied
#1106 ° Gesendet: 11.03.2010 20:15
Hexxe:
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Koalition-der-BlocherAbwa ehler-hat-schnelle-Loesung-verunmoeglicht/story/29998749

Du glaubst ja selber nicht, dass Blocher gegen die Interessen seiner eigenen Klientel vorgegangen wäre. Und Tonneli ist sowieso ein falscher Fuffziger, dem höchstens eine Handvoll seniler alter Damen das Lächeln abkaufen...
gumbyman
Mitglied
#1107 ° Gesendet: 12.03.2010 00:54
@AdiB
Sehr aufschlussreiche Analyse, hat eindeutig'n roten Faden.

Man muss sich in der Tat überlegen ob es wirklich so schlimm ist, wenn es den "linken Monoblock" nicht mehr gibt, und sich dieser in mehrere homogenere Blöcke aufteilt. So sinkt wohl der Einfluss der einzelnen Partei, aber dafür findet auch jeder "seine" Partei.

Auf der einen Seite gibt es reine Zweiparteien - Systeme, auf der anderen Seite die Extrem-Viele-Kleinstparteien - Systeme. Das Ideal ist wohl irgendwo dazwischen angesiedelt.

g.
Pia
Mitglied
#1108 ° Gesendet: 12.03.2010 01:00
Thomas:
Hexxe: http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Koalition-der-BlocherAbwa ehler-hat-schnelle-Loesung-verunmoeglicht/story/29998749

Thomas: Du glaubst ja selber nicht, dass Blocher gegen die Interessen seiner eigenen Klientel vorgegangen wäre. Und Tonneli ist sowieso ein falscher Fuffziger, dem höchstens eine Handvoll seniler alter Damen das Lächeln abkaufen...

Warum stellst du "Hexxe" überhaupt noch eine Frage?
Hexxe
Mitglied
#1109 ° Gesendet: 12.03.2010 12:42 ° Bearbeitet von: Hexxe
Thomas:
Du glaubst ja selber nicht, dass Blocher gegen die Interessen seiner eigenen Klientel vorgegangen wäre. Und Tonneli ist sowieso ein falscher Fuffziger, dem höchstens eine Handvoll seniler alter Damen das Lächeln abkaufen...

Ja ja von mir aus spiel Dein unsachliches Game gegen die böse SVP ruhig weiter....denke aber daran Wahltag ist Zahltag ;-)


http://www.blick.ch/news/schweiz/politik/die-linken-gefaehrden-die-abz ocker-initiative-142498

Sind Sie enttäuscht über das Resultat?
Mich mag es sehr. Dass die Linken nicht zugestimmt haben, kann nur daran gelegen haben, dass die den Vorschlag nicht gelesen haben oder dass Christoph Blocher mitgemacht hat. Hinter vorgehaltener Hand haben mir das viele Sozialdemokraten gesagt und trotzdem zum Coup mit Blocher gratuliert.

Müssten Sie nicht im Gegenteil glücklich darüber sein, dass Ihre Initiative nun doch vors Volk kommt?
Mit dem Vorschlag Minder/Blocher wäre die Umsetzung meiner Ziele viel schneller möglich gewesen. Somit hätte man die Abzockerei sehr rasch bekämpfen können. Nun geht es sicher länger.

Was muss jetzt Ihrer Ansicht nach passieren?
Die Sozis müssen jetzt rasch sagen, wir machen keinen Gegenvorschlag, sondern bringen nur die Initiative vors Volk. Wenn sie das nicht jetzt tun, dann werden sie es kurz vor der Abstimmung tun müssen, denn unsere Initiative ist garantiert besser als der Gegenvorschlag.
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Wir-werden-die-Initiative -sicher-nicht-zurueckziehen/story/22513451
agathon
Mitglied
#1110 ° Gesendet: 12.03.2010 13:24
Hexxe:
denke aber daran Wahltag ist Zahltag

Siehe Stadt Zürich. – Einmal mehr endete der Millionen-Franken-Sturm der SVP auf den Zürcher Stadtrat bei den Fröschen im Burggraben. Vielleicht sollte die SVP mal von der Geri-Blocher-Taktik abkommen, die durchschaut ja ein Blinder. Die Wahl-Chancen für Pöbler und Prügler sind in einer Demokratie eben beschränkt.
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