rlarsson:
Ich habe selten so gelacht. Die Grünen wollen die Schweizer Bauern beschützen? Sprechen sie eventuell weitere Subventionen für die Bauern der SVP?
Nein, darum geht es überhaupt nicht - es geht darum, etwas weiter über den Tellerrand hinauszukucken, als dies bei den rechtsbürgerlichen der Fall ist: Denn man kann davon ausgehen, dass in absehbarer Zeit Ackerland weit kostbarer sein wird, als es heute ist: Natürlich will Girod nicht die Zeiten der "Anbauschlacht" aus den 1940ern heraufbeschwören, doch er denkt an die bevorstehende Verknappung des Erdöls, was das Kulturland vor eigenen Haustür wieder zu einer sehr wertvollen Ressource werden lässt. Sobald die Energiekosten weiter steigen, und damit der Transport und die Lagerung (Kühlung) von Nahrungsmitteln sich verteuern, wird der Wert des Ackerlandes um ein Vielfaches zunehmen. Volkswirtschaftlich gesehen, ist es enorm wichtig wenn wir diese Flächen erhalten. (Da auch der Dünger vor allem aus Erdölprodukten besteht, können wir nicht mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Flächen immer gleich intensiv bewirtschaftet werden können, wie heute.)
Daneben erfüllt der geplante Vorstoss auch die wichtigen Anliegen des Landschaftsschutzes. Das mittlerweile berühmte
"Schweiz-Buch" von Herzog und de Meuron u.a. (ETH Basel) bringt es auf den Punkt: In der Schweiz ist die gemeindeübergreifende Raumplanung zu wenig effizient: Jeder kleine Kracher hat mittlerweile sein eigenes Industriegebiet, damit er seinen Stuerfuss niedrig halten kann. Das führt zu einer Zersiedlung, wie man sie in Europa nur in der Schweiz findet. Damit wird wertvolles Kulturland Opfer der Steuerautonomie der Gemeinden, die ihre Wurzeln, wie das Buch darlegt, bereits bei den Kelten findet. Das ist nicht mehr zeitgemäss, schreiben die Autoren zurecht, weil wir raumplanerisch vor ganz anderen Problemen stehen. Dass Girod, selbst Doktorand an der ETH, von dieser fundierten Untersuchung ausgeht, versteht sich.