gumbyman Mitglied
#101 ° Gesendet: 25.09.2007 00:46 |
@Menon
Ich verspüre bei Dir einen gewissen sportlichen Ehrgeiz, mich zum Hinterfragen zu zwingen und argumentativ auszubremsen - wohlan, so sei es denn :)
bezeichne denn fernerhin als herzlos, wen du willst, setze dich aber nicht zur Wehr, wenn dir dasselbe geschehen sollte
Doch, natürlich stehe ich für meine Überzeugungen ein - das heisst aber nicht, dass andere das nicht auch dürfen und sollen.
im Kapitalismus als Ideologie z.B. nicht
Nicht jede Ideologie kann für sich Ethik reklamieren - muss sie auch nicht, wenn sie nur einem bestimmten Zweck dienen soll. Sie ist dann aber (kapitalismus, sic) nicht als alleinige Leitlinie für eine Gesellschaft geeignet.
Was heisst "gefährlich"?
Für mich in diesem Zusammenhang ganz pragmatisch: eine funktionierende (mithin erfolgreiche) Gesellschaft muss dafür besorgt sein, dass es keine krass benachteiligte Unterschicht gibt, ansonsten sich diese gewaltsam bessere Bedingungen erkämpft. Und dabei meist auch den "funktionierenden" Teil mit in den Abgrund reisst, bevor etwas Neues und/oder Besseres entsteht.
Nein aber sie stellen immerhin die grundlegendsten Werte dar, auf welche sich eine fortschrittliche Weltgemeinschaft geeinigt hat.
Nun ja – wenn nicht gerade die innere Sicherheit oder der Nationalstaat vorgeht.
Ich deute das nun mal als vorsichtig zustimmenden Sarkasmus ;-)
Ich weiss, eben. Und insofern sind wir – rein rational betrachtet – moralisch in keiner Weise über die Fascisten erhaben.
Doch, insofern die Grundwerte eines modernen Rechtsstaats ja quasi einer mehrheitlichen Willensäusserung entspringen und insbesondere keine Nachteile für andere Menschen bedeuten.
Ich muss zugeben, dies ist keine saubere rationale Erklärung - die reine Ratio ist aber in Fragen des Zusammenlebens oft das falsche Instrument.
Ist aber [gleiche Grundrechte für alle Menschen] aus meiner Sicht nicht verhandelbar.
Eben, siehst du. Wie kannst du aber verantworten, energisch auf die gesetzliche Durchsetzung – mit Gewalt, falls nötig – von etwas zu pochen, das du nicht begründen kannst?
Das ist leicht: es enspricht erstens einem allgemeinen, sehr breiten gesellschaftlichen Konsens, also quasi einer qualifizierten Mehrheit. Und zweitens gibt es - wie gesagt - die nicht weiter begründbare Menschlichkeit / "Ethik", die jeder in sich drin hat und deren Ursprung zwar blumig hergeleitet aber nicht schlüssig erklärt werden kann.
Allerdings sind die Menschrechte nicht "gottgegeben", sondern eine der wichtigsten Errungenschaften in der Geschichte der Menschheit.
der Reaktionär würde wohl etwas anderes sagen. Keiner von beiden kann seine Ansichten argumentativ – logisch! – besser verteidigen als der andere
Doch es gibt einen ganz logischen Grund: während im einen Fall auch der Reaktionär gleiche Rechte geniesst wie alle anderen, ist im anderen Fall eine grosse Gruppe benachteiligt. Das Integral über das soziale Wohlergehen ist also im ersteren Fall viel grösser!
Etwas gewagte Erklärung, ich geb's zu, aber Du willst's ja partout rational haben :)
Wenn Du nun noch @seabream's Zusammenstellung anschaust, deucht mich doch Du geniesst irgendwie die Position des advocatus diaboli - es ist zwar nicht wirklich Deine Position, aber sie muss doch auch möglich sein, das ist der springende Punkt, oder?
g. |